#opco12 Abschlußworkshop: Auf neuen Wellen reiten

Letzten Freitag fand im Gästehaus der Universität Frankfurt am Main ein Workshop zum gerade zu Ende gegangenen MOOC #opco12 statt. Ein wirklich schöner Rahmen für eine spannende Veranstaltung, an dieser Stelle auch nochmals Dank an das hessische Kultusministerium für das leckere Essen.

Die Vorträge sollen bald online gestellt werden, daher verzichte ich hier auf eine weitere Zusammenfassung und gehe auf einige Punkte ein, die mir während der „offline“ Diskussionen aufgefallen sind.

Claudia Bremer wies in ihrem Beitrag nachdrücklich auf die Gefahr für Hochschulen hin, den durch offene Bildungsressourcen entstandenen Trend zu verschlafen. Dies betrifft dann die kreative Verwendung von neuen Technologien, neue Formen des Lehrens und Lernens („Flipped Classroom“) sowie grundsätzlich neue Rollen für Lehrende und Lernende. Klar ist auch, dass dies nicht voraussetzungslos ist, so dass neue (Medien-)Kompetenzen erforderlich sind.

http://www.flickr.com/photos/geralds_1311/5949065455/sizes/z/in/photostream/
http://www.flickr.com/photos/geralds_1311/5949065455/sizes/z/in/photostream/

Insgesamt scheint sich ein „Real Tsunami“  – so der Titel eines aktuell erschienen Essays – über uns auszubreiten. Folglich wäre es wichtig, Wellenreiter zu sein. Allerdings sehe ich hier auch die Gefahr, dass zwar auf medienwirksamen Trends „mitgeritten“ wird, doch in all dem Hype die Zeit für Reflexionen bezüglich des didaktischen Mehrwerts und des Nutzens verloren geht. Der Wellenreiter ist zu sehr mit seiner eigenen Balance beschäftigt, dem Gegen- und Miteinander verschiedener Strömungen und der immerwährenden Suche nach der nächst besten Welle, so dass er sich weniger Gedanken über seine generelle Strategie und seine Technik des Wellenreitens Gedanken machen könnte. Für Hochschule gilt Ähnliches: Ein hektisches Adaptieren mit MOOCs kann den Blick auf die tiefer liegenden Potentiale verstellen, d.h. die Frage, für welchen Teil des Hochschulsystems können MOOC eine sinnvolle Ergänzung sein. In diese Richtung geht dann auch die Konzeption Blended MOOC, die hier erläutert wird.

Die Herausforderung wird nun sein, in den Modus einer „Vita contemplativa“ zu kommen, das als Gegenstück zur „Vita (Hyper-) Activa“ von Byung-Chul Han in seinem Essay Müdigkeitsgesellschaft beschrieben wird. Dieser Zustand des Staunens und Zögerns enthält auch die Möglichkeit, den beständig aufkommenden Reizen zu widerstehen.

Advertisements

6 Kommentare

  1. Hallo,

    danke für die Zusammenfassung. Ich fühle mich da nur nicht ganz richtig verstanden. ich habe nicht gesagt, dass wir alle die Welle reiten sollen. Dazu hatte ich extra am Ende meines Vortrags der Position des Stanford Präsidenten John Hennesy die Haltung von Steve Carson (MIT Open Course Ware) gegenüber gestellt. Was ich meine ist, dass es wichtig ist, dass wir uns mit dem Trend befassen, einige Hochschulen damit Erfahrungen sammeln und diese teilen, damit wir kritisch prüfen, was wir davon nachhaltig nutzen können und was nicht. Nur ohne dass einige Hochschulen solche Experimente machen und dann darüber reflektieren, können wir auch icht entscheiden, was davon gut einsetzbar ist. Ich habe nicht gesagt, dass wir blind und ungeprüft die Welle reiten sollen, wenn ich so verstanden wurde, möchte ich mich da gerne korrigieren. Gruss Claudia Bremer

    • Vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Ich denke, wir sind uns da schon weitgehend einig, dass das Ziel kein blindes Wellenreiten sein sollte. Mir kam nur die kritische Reflexion etwas zu kurz, angesichts des Hypes, der uns gerade begleitet.

  2. Leider war ich nicht bei der Abschlussveranstaltung, möchte aber meine Gedanken zur Reflexion hier einbringen.

    In meiner beruflichen Tätigkeit beim Schul-Support-Service wird die Frage der Nutzung von digitalen Medien in verschiedensten Varianten immer wieder gestellt.
    An der Diskussion sind in unterschiedlichen Runden beteiligt: die Bildungsbehörde, das Zentrum für Medien des Landesinstituts für Schule und die Universität.
    Dabei sehe ich, dass beide Seiten zu kurz kommen. Sowohl die innovative Seite, die auf Neues eingeht und ‚einfach mal probiert‘.
    Wobei Open Educational Ressources in diesem Rahmen leider kaum eine Rolle spielen! Ich erlebe hier also leider keinen ‚Hype‘. Diesen ‚Hype‘ habe ich aber erlebt, als ich zu dem Thema recherchiert habe. Wenn es also so ist, dass dieser Trend sich nur in dafür interessierenden Kreisen eine Rolle spielt, dann müsste an der Verbreitung des Themas noch viel mehr gearbeitet werden.

    Aber auch die reflektierte Seite kommt zu kurz, die das was genutzt wird und wie es genutzt wird, noch einmal betrachtet und über Veränderungen nachdenkt.
    Es gibt noch kein Konzept, welche Kompetenzen eigentlich während des Studiums bzgl. der digitalen Medien und der Beschaffung von Wissen erlangt werden müssen.

    Mir scheint die Zusammenarbeit von verschiedenen Akteuren und Beteiligten zu kurz zu kommen.
    Von den Lernenden kommen Anstöße, die von den Lehrenden (teilweise) nicht aufgenommen werden.
    Von den Lehrenden kommen Anstöße, die (teilweise) zu wenig reflektiert werden.

    Dem System ‚die Schuld zu geben‘ greift hier selbstverständlich zu kurz, es könnte aber eine Erklärung dafür liefern, wieso es (zunächst unreflektierte) Vorstöße geben muss.

    Mich interessiert an dieser Stelle welche Vorstellungen es dazu gibt, einerseits Neues (teilweise ja auch gegen Widerstände) einzubringen und wie die Reflexion von neuen Trends dann aussehen könnte oder müsste.

    Das Bild vom Wellenreiter gefällt mir sehr gut! Mein erster Gedanke dazu war: Ich würde mich gar nicht auf so ein Brett trauen – was da alles passieren kann! Ich wäre also vor dem Experiment schon so mit mir beschäftigt, dass es nicht zu einer Veränderung kommen würde – oder?

    Beste Grüße, Ruth Scheffler

    • Vielen Dank für Ihre Einschätzungen Frau Scheffler. Ich bin da Ihrer Meinung, dass wir es mit (zumindest) zwei getrennt voneinander ablaufenden Diskursen zu tun haben. Interessant wäre es, diese im Sinne von Foucaults Diskursanalyse „archäologisch“ zu untersuchen: Gibt es verborgene Machtstrukturen und wie können diese für die Verbreitung von Open Education genutzt werden?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s