Corona und der Baum der Erkenntnis #100DaysToOffload

Gestern veröffentlichte die FAZ den Beitrag „Digitale Wende statt Digitalisierung“, um Lehren aus den Corona-Semestern zu ziehen.

Zu Beginn wird die bemerkenswert offensichtliche Frage gestellt, was „digitale Lehre“ überhaupt sei. In den Lehrverpflichtungsverordnungen der Länder macht man darum einen großen Bogen – auch darum weil die Digitalisierung erst in den letzten Jahren so richtig Fahrt aufgenommen hat und die politischen Dokumenten noch nicht auf dem aktuellen Stand sind. Das würde jedoch eine verkürzte Lesart der Digitalisierung nahelegen, worauf der Autor mit Verweis auf Nassehi und seine These, wonach wir schon immer digital gewesen sind, auch hinweist.

Jenseits der theoretischen Überlegungen geht es in den Hochschulen gerade vor allem darum, wie die digitale Lehre langfristig, über die Pandemie hinaus, integriert werden kann. Der Deutsche Hochschulverband schlägt hierzu vor, den (erhöhten) Aufwand bei der Erstellung digitaler Lehrformate maßgeblich in die Berechnung einzubeziehen. Das ist für die Motivation und die Anerkennung der Aufwände, die Lehrende mit der digitalen Lehre unter schwierigen Bedingungen haben, sehr hilfreich.

Gleichzeitig ist es wichtig, dabei nicht stehen zu bleiben und weiter zu machen, bei der digitalen Transformation.

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Genau das macht der FAZ-Artikel dann aber nicht.

Die entscheidende Frage, die sich für die Zukunft stellt, ist nicht, ob digital gelehrt werden soll, sondern mit welchen digitalen Tools, auf welche Weise und von welchen Stellen das wie unterstützt wird.

https://m.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/zur-lehrsituation-an-den-universitaeten-nach-zwei-corona-semestern-17298715.amp.html?__twitter_impression=true

Das ist für mich zu verkürzt auf instrumentelle Aspekte („welche Tools“) und lässt die tiefergehenden Aspekte der Digitalität, die weiter oben mit Bezug auf Nassehi angedeutet werden, unberücksichtigt. Klar ist, dass es nun in der Hochschullehre darum geht, wie die positive Erfahrungen aus den Corona-Semestern in die Post-Corona-Phase „gerettet“ werden können. Die Tools, die eingesetzt wurden, machen Spaß und motivieren beim Schreiben oder der Zusammenarbeit mit anderen Studierenden. Das soll unbedingt erhalten bleiben, wozu die bedeutungsschwere Metapher des Biss in den Apfel vom Baum der Erkenntnis verwendet wird. Das hoffe ich auch, denke aber auch, dass es wichtig ist, die Erkenntnis nicht nur auf den Anwendungsaspekt von Tools zu beschränken.

Bei der Erkundung der Erkenntnishorizonte lässt sich neben Nassehi, der seine Stärke in der These, wonach die Digitalisierung schon lange in Gange ist, hat, Stalder mit seiner Perspektive „Kultur der Digitalität“ nutzen. Ein Blogpost von ihm verlinke ich hier: Grundformen der Digitalität.

Es braucht eine gemeinsame Erkundung des neuen, entstehenden kulturellen Terrains auf grundlegender theoretischer Ebene, mit dem Ziel ein Verständnis von Bildung in der Digitalität zu schaffen. Herunter gebrochen auf die Praxis heißt das dann, das wir uns mit der Frage, was (gute) digitale Lehre ist, beschäftigen können, ohne reflexartig bei der Tool-Frage zu landen.

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