„Unterricht bereichern durch technische Innovationen“ #100DaysToOffload

Heute ist beim Deutschlandfunk ein Interview mit der KMK-Präsidentin erschienen, aus dem ich das in der Überschrift verkürzt wiedergegebene Zitat entnommen habe. Im Interview geht es um neben den gerade heiß diskutierten Themen Abschlussprüfungen und Lockerung der Beschränkungen für die Schulen auch um die Bedeutung der Digitalisierung.

Dass es in Deutschland enorme Defizite bei der digitalen Ausstattung gibt wird auch nicht bestritten – was auch zu absurd wäre, aber bei der KMK ist man ja einiges gewohnt. Es wird also viel Bereitschaft suggeriert, die vielen verwaltungsbürokratischen Hürden zu nehmen, so dass alle Lehrkräfte ein eigenes Gerät bekommen.

Wenn es dann aber zum Thema kommt, wie setzen wir die Geräte, Tools und Apps überhaupt im Unterricht ein, offenbart die KMK-Präsident ein Mindset, das so wirkmächtig wie verzerrt ist. Dazu nochmal das Zitat von oben in voller Länge:

Aber perspektivisch geht es darum, dass wir den Unterricht bereichern durch technische Innovationen, und dass wir darüber insgesamt besser werden müssen. Das ist eine Kernaufgabe, die wir angehen müssen. Und da ich das als Thema der Präsidentschaft wähle, werden wir darauf ein bisschen mehr Augenmerk legen, als wenn wir es sonst führen würden.

https://www.deutschlandfunk.de/kmk-praesidentin-zu-corona-massnahmen-wir-wuenschen-uns.868.de.html?dram:article_id=492057

Diese Perspektive verdeutlicht, dass der Unterricht im Kern unberührt bleiben soll. Technische Innovationen sollen dann helfen, dass es noch besser wird, haben somit rein instrumentelle Funktion. Aus Sicht der Science und Technology Studies ist dies ähnlich fehlgelagert wie die essentialistische Perspektive auf Technologien (dabei geht es um die angeblich autonomen Kräfte der Technik, die zur Umsetzung pädagogischer Ziele eingesetzt werden können). Beide Ansätze sind in den Medien und der (Bildungs-)Politik beliebt, wohingegen sie von der Philosophie und Techniksoziologie abgelehnt werden.

Der Instrumentalismus ist für die Politik verführerisch, weil er sehr gut zum Vorrang der Präsenz passt, der seit Monaten stark gemacht wird. Nur durch Präsenzunterricht lässt sich das Recht auf Bildung der Kinder verwirklichen. Angesichts solch starker moralischer Geschützte ist klar, dass der Unterricht, so wie er ist, nicht verändert, höchstens bereichert werden darf.

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