Pflichterfüllung

So könnte man in einem Wort die Tagung „Universität 4.0“ der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) zusammenfassen, die gerade in Berlin zu Ende ging. Angetreten ist man, um die Folgen der Digitalisierung für akademische Lehre und Forschung in den Blick zu nehmen. Dafür hatten wir zwei halbe Tage Zeit.

Entsprechend kurz (15 Minuten) viel dann auch die Eröffnung aus. Ich war gespannt, wie das Buzzword „Universität 4.0“ erläutert würde. Leider wurde hier statt einer bildungswissenschaftlichen Rahmung bzw. Einschätzung einfach die Lesart der Bundesregierung wiedergegeben. Diese affirmative Haltung, ließ schon erahnen, wie der Umgang der DGfE mit der Digitalisierung auf dieser Tagung sein sollte.

Nach der Eröffnung ging es dann in 4 parallele Vortragstracks, die so illustrere Bezeichnungen hatten wie „Innovation und Kreativität durch neue Medien?“. Es war ein bunter Strauß an Themen, was einerseits die Komplexität der Digitalisierung widerspiegelt, andererseits aber auch aufzeigt, dass es (noch) an bildungswissenschaftlichen Kriterien zur Einordnung fehlt. Genau das sollte aber die Tagung leisten, wie – fast forward – in den Schlussworten betont wurde. Es sollte keine medienpädagogische Veranstaltung sein, sondern eine, die an verschiedene erziehungswissenschaftliche Diskurse anschließt. Erkennbar war dies für mich nicht, sondern es waren technische Themen (Learning Analytics, Gamification) oder solche, von denen die Organisatoren dachten, sie wären relevant („Abschied von der Buchkultur“).

Was dagegen fehlte, war eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit der Digitalisierung. Es blitzte zum Beispiel beim Streitgespräch durch, als angemerkt wurde, man solle die Frage – Was bedeutet die Digitalisierung für Hochschulen? – umdrehen in die Frage – Was kann die Bildungswissenschaft für die Digitalisierung beitragen? Damit findet eine Beweislastumkehr statt, bei der den Hochschulen der Veränderungsdruck genommen wird, der durch politische und ökonomische Interessen aufgebaut ist. 

Eine eigene Position der DGfE zur Digitalisierung kam so nicht heraus und ist anscheinend auch nicht geplant. Was bleibt ist die Hoffnung, dass uns digitale Medien nicht völlig um den Verstand bringen.


Eine Aufzeichnung meines Vortrags gibt es hier.

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